Vollbefragung ja – aber erst am Ende der Legislaturperiode

Eine Befragung aller Kammermitglieder sieht die Präsidentin, Patricia Drube, als gutes demokratisches Mittel, doch der Zeitpunkt ist ungünstig

11.12.2019 I Zum Koalitionsbeschluss der nachträglichen Anschubfinanzierung der Pflegeberufekammer Schleswig-Hostein verbunden mit einer Vollbefragung aller Kammermitglieder erklärt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer in Schleswig-Holstein:


„Eine nachträgliche Anschubfinanzierung ist die richtige Entscheidung der Landesregierung, um die Kosten für die Errichtung einer Pflegekammer nicht ausschließlich den Pflegenden selbst zu überlassen. Wir begrüßen diese Entscheidung ausdrücklich. Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen stellt der Kammererrichtung ab 2020 im Vorwege fünf Millionen Euro zur Verfügung. Damit werden die Mitglieder von den Kosten, die mit dem Aufbau einer Selbstverwaltung verbunden sind, entlastet.


Auch eine Vollbefragung ist ein Weg, um eine größere Akzeptanz der Pflegeberufekammer zu erreichen. Pflegende waren schon immer fremdbestimmt, und nun haben sie das Gefühl, dass ihnen wieder etwas übergestülpt wurde, ohne dass sie mitentscheiden konnten. Diese Erfahrung „Wir wurden nicht gefragt und nun werden wir gezwungen“ hat viele Kritiker auf den Plan gerufen. Dass es dabei um Selbstbestimmung geht, sehen die Pflegenden noch nicht. Von daher bewerten wir eine Vollbefragung als sinnvolle Maßnahme, um jeder Pflegeperson in Schleswig-Holstein die Chance zu geben, sich zur Pflegeberufekammer zu äußern und gehört zu werden.


Allerdings sollte die Vollbefragung erst zum Ende der Legislaturperiode im 2. Halbjahr 2022 erfolgen. Der von der Landesregierung geplante Zeitpunkt ist aus unserer Sicht deutlich zu früh. Die Arbeit einer Selbstverwaltung ist immer auf Langfristigkeit angelegt. Sie läuft über Selbstbestimmung sowie berufspolitische Mitbestimmung. Wir setzen uns weiter mit aller
Kraft für die Verbesserung der Stellung des Berufs, der Arbeitsbedingungen und der Versorgungsqualität ein.


Darüber hinaus fordern wir, dass wir als Pflegeberufekammer bis zur Vollbefragung unsere Haushaltssouveränität behalten. Unser Aufgabenspektrum und unser Handlungsspielraum dürfen in keiner Weise eingeschränkt werden. Auch müssen die Kosten für die geplante Vollbefragung vollständig vom Land übernommen werden. Eine Befragung der etwa 27.000 Mitglieder ist sehr zeit-, aber auch kostenintensiv.


Wir hoffen, dass die Entscheidung der Landesregierung dazu beiträgt, die Diskussion über die berufliche Selbstverwaltung auf ein sachlich-inhaltliches Niveau zurückzuführen. Auch appellieren wir an alle Organisatoren von Mahnwachen und Demonstrationen, nun zu einer angemessenen Kommunikationsebene zurückzufinden und ihre Falschinformationen, Drohszenarien und Propaganda gegen die Pflegeberufekammer einzustellen.


Ansprechpartnerin:
Patricia Drube – Präsidentin Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein Fabrikstr. 21 24534 Neumünster Mobil: +49-151-4 222 84 83


Hintergrund zur Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein:

Mit der Pflegeberufekammer haben Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein seit dem 21. April 2018 eine kraftvolle Standesvertretung. Die Pflegeberufekammer ist den etablierten Heilberufekammern (z.B. Ärztekammer, Apothekerkammer) als Körperschaft öffentlichen Rechts gleichgestellt. Sie vertritt mit 26.000 Mitgliedern die größte Berufsgruppe unter den Heilberufen. Alle Pflegefachpersonen mit einem Abschluss in der Altenpflege, Gesundheits- und Kranken- sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, die in Schleswig-Holstein arbeiten, sind Mitglieder der Kammer. Die Pflegeberufekammer nimmt mit ihren gewählten ehrenamtlichen Vertreter*innen die beruflichen Belange der Mitglieder wahr. So können die Pflegefachpersonen erstmals selbst über die Zukunft und Weiterentwicklung des Berufsstandes in Schleswig-Holstein mitbestimmen.

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