PPR 2.0 soll Personaluntergrenzen ablösen

Die "Wiederbelebung" der Pflege-Personalregelung (PPR) aus den 1990er Jahren ist ein erster Zwischenschritt - weg von Untergrenzen hin zur Personalbemessung

Der Deutsche Pflegerat (DPR), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Gewerkschaft Verdi haben ein neues Personalbemessungsinstrument für Krankenhäuser auf den Weg gebracht – die PPR 2.0. Den gemeinsam erarbeiteten Vorschlag übergab die Allianz Mitte Januar 2020 an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die PPR 2.0 soll nach Ansicht von DPR, DKG und Verdi die seit 2019 geltenden Pflegepersonaluntergrenzen ablösen und eine Übergangslösung darstellen, bis ein wissenschaftlich fundiertes Pflegepersonalbemessungsinstrument entwickelt ist.

Der Vorschlag basiert auf der Pflege-Personalregelung aus den 1990er-Jahren, die 1997 wieder abgeschafft wurde. Das Instrument wurde weiterentwickelt und um aktuelle Anforderungen an eine gute pflegerische Versorgung ergänzt (z.B. Umsetzung von Expertenstandards und Leitlinien). Die PPR 2.0 unterteilt Leistungen dabei in die allgemeine und spezielle Pflege – jeweils in vier Stufen. Die höchste Stufe der allgemeinen Pflege soll dabei den früher geltenden Pflegekomplexmaßnahmen-Score (PKMS) ersetzen.

Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, bewertet eine Abkehr von den Personaluntergrenzen als positiv: „Diese konnten das Ziel, das der Gesetzgeber mit ihnen verfolgte – das Pflegepersonal zu entlasten und die Qualität der Pflege anzuheben – definitiv nicht erreichen“, sagt die Kammerpräsidentin. Mit der PPR 2.0 liege nun zumindest ein Instrument vor, dass sich an den Bedarfen der Patienten und nicht mehr an den 25 % der am schlechtesten ausgestatteten Krankenhäuser orientiere. „Auch kann mit dem neuen Instrument die derzeit zu beobachtende Praxis verhindert werden, dass Pflegekräfte aus Bereichen ohne Personaluntergrenzen abgezogen werden, um die Untergrenzen vermeintlich einzuhalten und Sanktionen zu umgehen“, hält Drube fest. Das alles spreche für eine zeitnahe Umsetzung der PPR 2.0.

Dennoch zeige das neue Instrument einige Schwachstellen: Es wurde im Vorfeld zwar in 44 Krankenhäusern getestet, sei aber alles andere als valide. Es berücksichtige ausschließlich die bettenführenden Abteilungen eines Krankenhauses – Notaufnahmen, Intensivstationen und Kinderstationen werden ausgeschlossen. Auch die Nachtdienstbesetzung gebe Grund zur Sorge: Es könne weiterhin zumindest für eine Übergangszeit möglich sein, dass eine Pflegefachperson für mehr als 20 Patient*innen verantwortlich sei. „Von daher kann die PPR 2.0 wirklich nur ein Zwischenschritt sein, bis eine bedarfsgerechte Personalbedarfsbemessung entwickelt wurde“, hält Drube fest.

Um die Situation für Pflegefachpersonen und Patient*innen zu verbessern, sei eine echte Trendwende nötig. „Krankenhäuser sind Orte, an denen Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen müssen und nicht wirtschaftlicher Druck“, fordert Drube. „Nur auf dieser Grundlage können eine ausreichende Patientensicherheit und attraktive Arbeitsplätze für Pflegende gesichert werden.“

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