Pflegeberufen droht Überalterung: "Wir steuern auf dramatischen Engpass zu"

Knapp 40 Prozent aller Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand gehen.



06.12.2019 I Das zeigen aktuelle Daten der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein: 39,7 Prozent der registrierten 27.087 Mitglieder sind 51 Jahre und älter. „Wenn wir jetzt nicht handeln, ist davon auszugehen, dass wir auf einen dramatischen Engpass in der pflegerischen Versorgung zusteuern“, warnt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Schon jetzt liege in Schleswig-Holstein das Verhältnis von Pflegefachkräften zu Einwohnern deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. „Während es in Deutschland laut der aktuellen OECD-Gesundheitsstatistik 12,9 Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner gibt, sind es in Schleswig-Holstein nur 9,35“, sagt Drube. Gleichzeitig wachse der Pflegebedarf immens: „Wir gehen für Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2030 von einem Wachstum der Pflegebedürftigen von 53,8 Prozent und einem Mehrbedarf von zirka 15.000 Pflegestellen aus“, sagt Drube, die sich dabei auf Zahlen der Bertelsmann Stiftung bezieht.


Weniger als ein Viertel der Pflegenden sind jünger als 35 Jahre
Die Überalterung betrifft alle Pflegeberufe, d.h. die Gesundheits- und Krankenpflege, die Altenpflege sowie die Kinderkrankenpflege. Nur 24,0 Prozent aller Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein sind jünger als 35 Jahre. 36,3 Prozent sind zwischen 36 und 50 Jahren. Am stärksten vertreten sind die geburtenstarken Jahrgänge der 51- bis 55-Jährigen mit insgesamt 17,8 Prozent aller Pflegenden. „Besonders bedenklich ist, dass der Pflegenachwuchs der 19- bis 30-Jährigen nur 13,3 Prozent aller Pflegefachpersonen ausmacht“, sagt die Kammerpräsidentin. „Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, auf verstärkte Ausbildung zu setzen und alles zu tun, um junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen.“ Vor allem müsse dabei die Strategie „Masse statt Klasse“ vermieden werden. Es gehe darum, solche jungen Menschen anzusprechen, die diesen fachlich und persönlich anspruchsvollen, aber auch vielseitigen Beruf als Beginn eines lebenslangen Lernprozesses ergreifen wollen. Zudem sei es erforderlich, die Rahmenbedingungen der beruflichen Pflege umgehend zu verbessern, zum Beispiel durch faire Löhne, verlässliche Dienstpläne, flexible Arbeitszeitmodelle und wertschätzende Führung. „Nur so können wir Pflegefachpersonen langfristig in ihrem Beruf halten und den Pflegenachwuchs sichern“, sagt Drube. „Das muss der Anspruch aller Beteiligten sein – im Sinne der Pflegenden, aber vor allem auch im Hinblick auf die uns anvertrauten Pflegebedürftigen, deren gesundheitliche Versorgung sonst dramatisch gefährdet wäre.“


Erstmals Pflegeberufe-Statistik in Schleswig-Holstein
Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein erhebt regelmäßig statistische Daten ihrer Mitglieder. „Erstmals können wir für Schleswig-Holstein nun festhalten, wie viele Pflegefachpersonen in der Pflege tätig sind – mit welcher Qualifikation und in welcher Region“, erläutert Drube. Diese Pflegeberufe-Statistik sei wichtig, um die Beschäftigungssituation in der Pflege landesweit abzubilden. „Künftig werden wir noch zusätzliche Daten erheben, zum Beispiel zum genauen Qualifikationsprofil der Pflegefachpersonen, aber auch zu Wechselbewegungen der Pflegenden in andere Regionen und Sektoren“, so Drube. Diese Pflegeberufe-Statistik sei die Grundlage, um eine ausreichende pflegerische Versorgung in Schleswig-Holstein sicherzustellen. „Nur wenn die Zahlen bekannt sind, können rechtzeitig regionale oder landesweite Maßnahmen erfolgen, um auf sich abzeichnende Engpässe zu reagieren.“


Ansprechpartnerin:
Patricia Drube
Präsidentin
Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein
Mobil:+49-151-4 222 84 83


Hintergrund zur Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein:
Mit der Pflegeberufekammer haben Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein seit dem 21. April 2018 eine kraftvolle Standesvertretung. Die Pflegeberufekammer ist den etablierten Heilberufekammern (z.B. Ärztekammer, Apothekerkammer) als Körperschaft öffentlichen Rechts gleichgestellt. Sie vertritt mit 26.000 Mitgliedern die größte Berufsgruppe unter den Heilberufen. Alle Pflegefachpersonen mit einem Abschluss in der Altenpflege, Gesundheits- und Kranken- sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, die in Schleswig-Holstein arbeiten, sind Mitglieder der Kammer. Die Pflegeberufekammer nimmt mit ihren gewählten ehrenamtlichen Vertreter*innen die beruflichen Belange der Mitglieder wahr. So können die Pflegefachpersonen erstmals selbst über die Zukunft und Weiterentwicklung des Berufsstandes in Schleswig-Holstein mitbestimmen.

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