Bericht zum Pflegetag Schleswig-Holstein

Beim 2. Pflegetag Schleswig-Holstein drehte sich alles um aktuelle Themen der Pflege aus Theorie und Praxis. Natürlich war auch die Pflegeberufekammer mit einem Stand und im Programm vertreten

Der Pflegetag Schleswig-Holstein, veranstaltet durch den Deutschen Berufsverband der Pflegeberufe DBfK Nordwest e.V. führte pflegepolitische Themen gemeinsam mit Ideen für die pflegerische Praxis in einem interessanten Programm zusammen.

Die Pflegeberufekammer war an diesem Tag mit einem Stand vertreten. Als Ansprechpartnerinnen für Kammermitglieder in Fragen bezüglich der Registrierung und der pflegefachlichen Arbeit gaben Frau Prien, Mitglied der Kammerversammlung, und Frau Grüssel-Griethe, Referentin für berufliche Pflege, Auskunft. Ein Thema, welches bei den Kammermitgliedern sehr gefragt war, umfasst den zukünftigen Umgang mit Weiterbildungen. Die Möglichkeit sich in Regionaldialogen an der Erstellung der Ordnung zu beteiligen, wurde positiv wahrgenommen.

Brigitte Kaack hat die Pflegeberufekammer als Mitglied des Vorstands in der Podiumsdiskussion zum Thema der Pflegepersonaluntergrenzen vertreten. Brigitte Kaack betonte dabei deutlich, dass Pflegepersonaluntergrenzen nicht eindeutig als „top oder flop“ zu bewerten sind. Untergrenzen, die die Sicherheit von Pflegeempfänger*innen gewährleisten, sind zu begrüßen. Allerdings sollten Pflegepersonaluntergrenzen die Möglichkeit einer bedarfsgerechten Pflege auch widerspiegeln. Aktuell setzen die Pflegepersonaluntergrenzen eine rote Linie auf dem pflegerischen Versorgungslevel, welches lediglich die Verhinderung von Schäden vorsieht. Das umfassende Patient*innenwohl bleibt weiterhin gefährdet und somit sind die Untergrenzen als zu niedrig angesetzt zu betrachten. Die Pflegeberufekammer setzt sich für eine an den Patient*innen ausgerichte, bedarfsorientierte pflegerische Personalbemessung auf jeder bettenführenden Station ein. Eine durchschnittliche, krankenhausweite pflegerische Personalbesetzung ist genauso abzulehnen, wie die jetzige rote Linie. Die zweckgebundene Verwendung des in 2020 einzuführenden Pflegebudgets sowie die Nachweisführung über die Verwendung der Pflegebudgets für definierte Pflegeleistungen wäre u. a. ein wichtiger Schritt bei der Verbesserung der Versorgungssituation in Krankenhäusern.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden die gesundheitspolitischen Vertreter*innen der Parteien (FDP, Bündnis 90/ Die Grünen, SPD) begrüßt. Frau Rathje-Hoffmann (CDU) berichtete eingangs über die aktuellen pflegepolitischen Aktivitäten im Land. Statistische Eckdaten zur stationären, teilstationären und ambulanten pflegerischen Versorgung, sowie zum geplanten Aufbau von Hospizbetten, wurden bekannt gegeben. Die unabhängige Pflegeberatung sei flächendeckend in Schleswig-Holstein durch die Pflegestützpunkte jedes Landkreises gesichert. Frau Rathje-Hoffmann stellte die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflegestudienplätze, sowie der weiteren medizinischen Gesundheitsfachberufe, vor. Besondere Betonung fand die Übernahme des Schulgeldes für die Ausbildungsberufe der med. Bademeister, Ergotherapie und Podologie durch das Land. Es wurde deutlich, dass Pflege derzeit ein zentrales politisches Thema darstellt. So strebt das Land Schleswig-Holstein die Deckelung der Wohnkosten für die Empfänger*innen von Leistungen der Pflegeversicherung an. In diesem Zusammenhang wurde auch die Entlastung der Angehörigen bei der familiären Beteiligung an Pflegekosten erwähnt. Weiterhin wird versucht solitäre Einrichtungen für die Kurzzeitpflege zu etablieren. Das Sofortprogramm der Bundesregierung mit den 13.000 Stellen in der stationären Langzeitpflege läuft auch in Schleswig-Holstein schleppend, da die Stellen schwer zu besetzen seien. Die Ausbildung in der Pflegehilfe wird in Schleswig-Holstein sichergestellt, jedoch fehlt der generalistische Ausbildungsansatz. Der DBfK verdeutlichte gegenüber den politischen Vertreter*innen, dass die Generalistik durch getrennte Pflegeassistenzausbildungen nicht gelebt werden kann. Die Pflegeberufekammer sieht es als zwingend notwendig an, dass die Ausbildung für die Berufe in der Pflegehilfe, die in Schleswig-Holstein erworben wird, eine Durchlässigkeit garantiert und eine Anerkennung des Abschlusses bundesweit sicherstellt. Der Anreiz, so viele Personen wie möglich in den Pflegeberuf zu holen, sei nicht das Ziel, welches die professionelle Pflege verfolgt. Aus Sicht der Pflege stehen die Pflegequalität und die Patient*innensicherheit an erster Stelle. Das Land unterstützt bei der Verbesserung des Berufsbildes in der Öffentlichkeit durch die Imagekampagne „PflegeWert“ und mit der „Auszeichnung für die Landesbesten“ diejenigen, die einen erfolgreichen Berufsabschluss in der Pflege absolviert haben. Ein umfangreicher Branchencheck zeige auf, wo im Land die Stärken und Schwächen der Langzeitpflege liegen. Auf dessen Grundlage sollen gezielt Handlungsstrategien entwickelt werden. Der Landespflegeausschuss ist bereits bei der Analyse von „best practise Projekten“ beteiligt.

Martin Dichter, Vorsitzender des DBfK Nordwest e.V., ruft dazu auf, den Teufelskreis zwischen den Problemen in der Pflege und den Folgen, welche erneut Probleme generieren, zu durchbrechen. Die Pflege müsse sich den Wert ihrer Arbeit wieder bewusstmachen und dafür einstehen. Deutlich wird gesagt, dass eine Reduktion der Fachkraftquote in der stationären Langzeitpflege keine Option darstellt. Ein Personalbemessungsinstrument anhand der vorliegenden Bedürfnisse der Pflegeempfänger*innen wird auch vom DBfK gefordert. Sandra Mehmecke, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, erklärte die derzeitige Personaluntergrenzenregelung. Für alle Anwesenden wird deutlich gemacht, dass sich die Selbstverwaltungspartner auch in diesem Jahr nicht über die Personaluntergrenzen einigen konnten.

Ein Schwerpunkt des Pflegetags Schleswig-Holstein war der Blick über die Grenzen in die Niederlande und nach Skandinavien. Prof. Hildegard Theobald verglich in ihrem Vortrag „Das Vorbild Skandinavien“ die Altenpflegeversorgung in Deutschland mit der Umsetzung in Schweden. Schweden setzt bei der Versorgung auf Defamilisierung, d. h. der Staat ist überwiegend für die Sicherstellung der Altenpflege verantwortlich. In Deutschland wird hingegen explizit auf den Familialismus gesetzt. Zudem stellte der Gesundheitsschuldienst der dänischen Minderheit „School Health Care“ sein Konzept vor. Die erforderliche pflegerische Qualifikation liegt dort auf Masterniveau.

Weitere Ideen zu einem neuen Dienstplanmodell, der praktischen Pflegeausbildung und zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege konnten die Teilnehmer*innen mit in die Einrichtungen und Praxis nehmen.

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