Kammerpräsidentin Drube zum "Internationalen Tag der Pflegenden"

Statement von Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, zum "Internationalen Tag der Pflegenden" am 12. Mai 2019.

"Starke Pflege weist den Weg - Gesundheit für alle“

Neumünster, den 12.05.2019 – Heute ist der internationale Tag der Pflegenden
Was bedeutet das? Ein Grund zum Feiern? Ein Grund sich feiern zu lassen? Oder einfach Anlass, ein paar schmeichelhafte Alibi-Floskeln für die Pflege loszulassen? Mich erinnert der 12. Mai jedes Jahr daran, dass ich Teil einer internationalen Berufsgruppe bin, der größten Berufsgruppe in allen Gesundheitssystemen der Welt, der Berufsgruppe, die in allen Bereichen tätig ist, in denen es um Gesundheitsversorgung geht, der Berufsgruppe, ohne die Ge-sundheitsversorgung nicht stattfinden könnte!

Heute erhebe ich meinen Blick aus meinen üblichen Alltagsradius. Heute mache ich mir bewusst, dass ich Teil einer internationalen Berufsgruppe bin, die Macht hat, weil Gedeih und Verderb der Menschheit irgendwann von ihr abhängt. Ja, ich weiß. Wir haben keine Zeit, diese Macht auszuüben. Wir müssen ja pflegen. Nein, nicht nur!

„Starke Pflege weist den Weg – Gesundheit für alle“ – so lautet das Motto des ICN (International Council of Nurses) zum Tag der Pflegenden 2019. Sind wir stark? JA! Wir sind stark, wenn wir uns zusammenschließen. Wir sind stark, wenn wir uns solidarisieren. Wir sind stark, wenn wir innerhalb unserer Berufsgruppe unsere Gemeinsamkeiten betonen statt unserer Unterschiede. Wir sind stark, wenn wir uns gegenseitig stärken und ermutigen, weil wir gut und respektvoll von unseren Kollegen sprechen und wir jede Kollegin und jeden Kollegen schätzen, die sich neben dem Job für unsere Profession einsetzen – ob in der Politik, in der Kammer, in der Gewerkschaft oder in einem Berufsverband. Weisen wir den Weg? JA! Wir nehmen die Verantwortung wahr uns einzubringen und zu sagen, was für eine gute und gerechte Gesundheitsversorgung nötig ist: Wir brauchen vor allem mehr ZEIT!

Entbürokratisierung, Digitalisierung, Personaluntergrenzen für alle Abteilungen des Kran-kenhauses, angemessene Gehälter, neue Qualitätsprüfungen – JA! Aber diese Initiativen lösen nicht das Kernproblem. Solange unser Gesundheits- und Pflegesystem darauf ausgerichtet ist, mit „Fällen“ Geld zu verdienen, geht es allein darum, immer mehr Verrichtungen in immer kürzerer Zeit zu erbringen. Das geht nachweislich zulasten der Gesundheit sowohl der Bewohner*innen und Patient*innen als auch der Pflegenden. Lasst uns gemeinsam als starke Berufsgruppe in die Führungsrolle gehen und den Weg hin zu einer guten und gerechten Gesundheitsversorgung weisen. Wenn Gesundheit keine Ware mehr ist, macht auch Pflege wieder Sinn und Freude. Und lasst uns gemeinsam Nein sagen zu Arbeiten, die unserer Gesundheit schaden. Es ist absolut unsinnig, wenn Pflegende die Gesundheit anderer fördern und dabei der eigenen schaden.

Patricia Drube
Präsidentin

Zurück zu allen News