Ich engagiere mich! Wir fragen warum

In der Kammerversammlung, in Ausschüssen und im Vorstand sind viele Pflegende aktiv. Wir haben sie befragt, warum sie sich für die Kammer einsetzen.

„Die Zukunft der Pflege steht auf dem Spiel“

 

Maria Lausen, 63, Inhaberin ambulanter Pflegedienst

Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin, Fachkrankenschwester für Psychiatrie und habe ein Pflegestudium absolviert. 1990 habe ich mich selbstständig gemacht und den ersten ambulanten Pflegedienst in Schleswig-Holstein gegründet. Hier arbeite ich als Pflegedienstleitung, übernehme teilweise aber auch direkte Pflegetätigkeiten.

Ich habe mich schon immer gerne engagiert und die Erfahrung gemacht, dass man damit viel Positives bewirken kann. Deshalb habe ich auch die Pflegeberufekammer mit aufgebaut und war Mitglied im Vorstand des Errichtungsausschusses. Jetzt bin ich im Ausschuss für Berufsfeldentwicklung aktiv und arbeite an der Berufsordnung mit.

Viele meinen, als Chef wäre man nicht mehr wirklich in der Pflege tätig. Aber auch als Leitung finde ich es wichtig, sich für die Kammer zu engagieren. Ich richte den Blick auf beide – auf die Mitarbeiter und die Patienten. Für beide ist es wichtig, dass die Pflege gut aufgestellt ist. Dafür brauchen wir für die Pflege bessere Bedingungen und Gehör in der Bevölkerung und Politik. Nur wenn es der professionellen Pflege gut geht, kann man auch gute Pflege erwarten und leisten.

Unsere gewählten Kolleginnen und Kollegen in unserer Pflegeberufekammer arbeiten alle in unterschiedlichen Bereichen der Pflege und wissen um die aktuellen Bedingungen und Probleme. Warum trauen wir ihnen nicht zu, dass sie Lösungen und Forderungen an die Politik stellen? Warum sollen das die Ärztekammern, die Krankenkassen, die politischen Parteien, die Gewerkschaften übernehmen und nicht wir selber?

Die Zukunft der Pflege steht auf dem Spiel – das sollten wir nicht anderen überlassen. Mit der Kammer haben wir eine Stimme, die Gültigkeit hat – in der Politik, Öffentlichkeit und gegenüber anderen Berufsgruppen.

 

 

 

„Kammer ist DIE Chance!“

 

Frank Bourvé, 49, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege

Ich habe 26 Jahre Intensiverfahrung in der direkten Pflege am Patientenbett. Meine Motivation war, mich zur Wahl aufstellen zu lassen, um diese praktische Expertise in die Kammer einzubringen und die Chance zu nutzen, mitzugestalten. Vor der Kammergründung hatte ich mich berufspolitisch nicht engagiert, habe mich allerdings auf diesem Gebiet immer auf dem aktuellen Stand gehalten und bin seit über 20 Jahren Mitglied bei Verdi.

Ich sage gerne: Ich bin nicht dabei, um das Beste daraus zu machen – sondern um das Schlimmste zu verhindern. Vielen Mitgliedern stößt auf, dass die Kammervertreter überwiegend nicht mehr in der Pflege an der Basis tätig sind, sondern in Leitungs- oder anderen Patienten/Bewohner/Klienten fernen Funktionen. Deshalb finde ich es so wichtig, dass praktische Pflegeexpertise und damit auch das Wissen um die häufigen, leider oft unguten Erlebnisse der täglichen Arbeit am Menschen in der Kammerversammlung und im Vorstand direkt vertreten sind.

Ich halte die Pflegeberufekammer für eine Chance, für die es sich zu kämpfen lohnt. Sie wurde uns nicht von der Politik übergestülpt, sondern von berufspolitisch aktiven Kolleginnen und Kollegen über viele Jahre erkämpft. Das bisherige System, nämlich die Vertretung von unseren Interessen allein durch Berufsverbände und Gewerkschaften, hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind – und dieser Zustand ist sicherlich suboptimal. Dass eine Kammer mehr Vorteile als Nachteile für die Berufsgruppe bringt, sieht man auch an den anderen verkammerten Berufen, wie den Ärzten, Apothekern, Psychotherapeuten, Anwälten, Steuerberatern, Architekten etc. Die lassen sich nicht von der Landesregierung, von Ministerien oder Behörden ihre beruflichen Belange diktieren, sondern entscheiden selbst darüber. Diese Chance sollten wir uns nicht nehmen lassen.

 

 

 

„Wir brauchen Leute, die noch in der Praxis tätig sind“

 

Thomas Jürs, 48, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie

Zu dem Zeitpunkt, als das mit der Pflegekammer aufkam, ist mein Vater gestorben – er war ein Mensch, der sich immer sehr engagiert hat. Vielleicht in Erinnerung daran habe ich am Kreiskrankenhaus in Rendsburg eine AG zur Pflegeberufekammer gegründet. Ich fand das Gesetz schon damals ziemlich gut, aber mir war klar: Es hängt davon ab, wer hinterher in der Pflegeberufekammer sitzt. Wir brauchen dafür Leute, die noch in der Praxis tätig sind. Deshalb habe ich mich auch für die Wahl aufstellen lassen.

Ich bin gelernter Altenpfleger und seit 20 Jahren in der direkten Pflege tätig. Zusätzlich habe ich noch eine Fachweiterbildung zum Psychiatriepfleger absolviert und 2016 ein Kunststudium abgeschlossen. Ich hatte aber nie die Motivation, im Bereich der Kunst zu arbeiten – Pflege ist das, was mein Leben kontinuierlich geprägt hat. Heute arbeite ich in der Psychiatrie. Hier fasziniert mich immer wieder, was man mit guter Kommunikation erreichen kann. Der Pflegeberuf ist ein so schöner Job – aber wir reden eigentlich nicht mehr darüber, was gute Pflege ist.

Ich bin jetzt Mitglied der Kammerversammlung und nach jedem Treffen glücklich, dass man der Idee von einer guten Pflege wieder ein Stück nähergekommen ist. Wenn wir selbst definieren, was gute Pflege bedeutet, wird man streitbar gegenüber Arbeitgebern und Vorgesetzten und kann ganz anders mit ihnen diskutieren. Ich kann nicht 16 Patienten in 2 Stunden waschen, sondern maximal 4! Und dafür ist die Berufsordnung da. Hier können wir unseren berufsethischen Vorstellungen von Pflege einen klaren Rahmen geben. Wir wissen um die Zustände, um die Rahmenbedingungen, um die Not in der Pflege. Wer wenn nicht wir selbst, sollen berufliche Regelungen für uns festlegen? An der Ärztekammer sieht man doch, dass es funktioniert!

Ein weiteres wichtiges Argument: Die Entscheidungen im Gesundheitssystem, die unseren Beruf maßgeblich prägen, werden in den Gremien getroffen, in denen die Pflegekammer jetzt mitentscheidet. Diese Chance sollten wir nutzen!

 

 

 

„Wir waren zu lange Spielball anderer Berufsgruppen“

 

Marcus Wulf, 41, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie

Ich war zunächst gegen die Kammer. Ich dachte, wieder so eine Behörde, die nur Geld kostet und nichts bringt. Ich habe dann einen ziemlich bösen Brief an den Errichtungsausschuss der Pflegeberufekammer geschrieben und eine sehr freundliche Antwort erhalten – zusammen mit vielen Infos zur Kammer.

Ich habe mich dann erstmal informiert, und mir war klar, dass ich nun zwei Möglichkeiten habe: Ich kann mich dagegen wehren oder ich engagiere mich selbst, damit das mit der Kammer in eine Richtung geht, die für den Beruf gut ist. Deshalb habe ich mit anderen Pflegenden eine Liste aufgestellt und mich für die Wahl aufstellen lassen. Jetzt bin ich Mitglied in der Kammerversammlung und engagiere mich in der Öffentlichkeitsarbeit.

Ich bin Fachkrankenpfleger für Psychiatrie und arbeite bereits seit 22 Jahren in der Pflege. Seit 12 Jahren bin ich in der Psychiatrie mit dem Schwerpunkt Suchterkrankungen tätig. Seitdem ich in diesem Beruf bin, habe ich niemals erlebt, dass wir Pflegenden uns zusammengetan haben, um Politik und Arbeitgebern Grenzen aufzuzeigen. Wir waren zu lange Spielball anderer Berufsgruppen. Das Ergebnis: Wir sind schlecht aufgestellt und bekommen – trotz motivierter Kollegen – keine gute Pflege hin.

Ich bin mir sicher: Es braucht einen Zusammenschluss mit fachlicher Expertise, um für die Pflegenden zu sprechen. Wer wenn nicht wir sollte wissen, was für den Beruf gut ist? Man stelle sich vor, dass bei den Ärzten andere Personen Entscheidungen über den Arztberuf treffen würden – das gäbe einen Riesenaufschrei. Die Pflege ist so ein professioneller, facettenreicher Beruf, aber wir wurden immer fremdverwaltet. Mit der Kammer können wir das ändern. Wir müssen und wir können das selbst!

 

 

 

„Die Pflege muss mit am Tisch sitzen“

 

Lena Prien, 33, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin und habe in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Weil die Rahmenbedingungen so schlecht waren, bin ich damals raus aus der Pflege – dabei habe ich meinen Beruf geliebt. Danach habe ich Soziologie und Pädagogik studiert und bin doch wieder in die Pflege zurückgegangen. Mein Herz hängt einfach an diesem wunderbaren Beruf. Jetzt bin ich Fachreferentin für Ambulante Pflege und Ausbildung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein.

In meiner jetzigen Funktion bin ich unter anderem bei Rahmen- und Vergütungshandlungen dabei und in unterschiedlichen Gremien und Arbeitsgruppen tätig. Das Traurige: Bei vielen Themen, bei denen es wirklich um fachliche Themen geht, sitzt die Pflege nicht ausreichend mit am Tisch. Dort sind zwar wichtige Akteure, wie zum Beispiel Kassenvertreter, MDK, Heimaufsichten, Seniorenbeirat etc., aber zu wenig Vertreter mit direktem Zugang zur Pflegepraxis, mit Pflegeerfahrung und Fachkenntnis. Dabei wäre das so wichtig! Diese Erfahrung hat mich motiviert, mich bei der Pflegeberufekammer zu engagieren. Wir können nur etwas verändern, wenn die Pflege in Politik und Gremien mit am Tisch sitzt und mitentscheiden kann. Das funktioniert aber nur über eine Kammer.

Ich glaube, dass die Pflegenden die Probleme in der Praxis am besten kennen und auch konstruktive und praktikable Lösungsideen haben. Die Pflege wird im Moment aber nicht ausreichend mit einbezogen. Mit der Kammer haben wir nun das erste Mal ein direktes Sprachrohr. Wir können unsere Ideen und Vorstellungen an die Kammervertreter herantragen, die diese wiederum an der richtigen Stelle – ob in der Politik oder anderen Gremien – platzieren können. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die pflegenden den Mut haben, diese Möglichkeit für sich nutzen.

Es besteht zudem die Chance, dass über die Pflegeberufekammer das, was die Pflege leistet, für Politik und Gesellschaft sichtbarer gemacht wird. Wir haben nun endlich die Möglichkeit, uns gemeinsam für eine gute Pflege stark zu machen und mit einer Stimme zu sprechen. Und was machen wir daraus? Ich finde es bedauerlich, dass die Kammer im Moment so viel Gegenwind erfährt und dadurch in ihrer Arbeit blockiert wird. Ich sehe die Kammer als einmalige Chance für die Pflege!

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