Fachkräftemangel bedroht Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein

Geschlossene Betten, lange Wartezeiten, überlastetes Personal

– das sind nur einige Folgen des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen. Pflegefachpersonen, aber auch Ärzte sind zunehmend „Mangelware“. Dadurch ist eine ausreichende Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen in Schleswig-Holstein gefährdet. „Betroffen sind alle Bereiche – von der Alten- bis zur OP-Pflege“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Freie oder freiwerdende Stellen können oft monatelang nicht besetzt werden.“ Die verbleibenden Pflegenden müssten mehr arbeiten, um den Mangel auszugleichen, und werden selber schneller krank.


Es braucht gemeinsame Versorgungskonzepte
„Wir werden in Zukunft immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen versorgen müssen“, sagt Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung. „Um die gesundheitliche Versorgung langfristig qualitätsgesichert zu sichern, brauchen wir dringend fundierte interdisziplinäre Konzepte, in die alle beteiligten Akteure ihre Expertise einbringen. Diese Konzepte können nur im Schulterschluss aller Berufsgruppen entwickelt werden“, betont Westerfellhaus. „Hier muss die Pflege als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen zwingend eingebunden sein.“ Auch Dr. Svante Gehring, 1. Sprecher der Ärztegenossenschaft Nord und Vorstandsmitglied der Ärztekammer Schleswig-Holstein, hebt hervor: „Der Fachkräftemangel und Strukturwandel im deutschen Gesundheitswesen stellt uns vor Herausforderungen, die wir nur durch eine engere intersektorale und transprofessionelle Zusammenarbeit bewältigen können. Zur Neugestaltung der Versorgung benötigen wir daher kompetente Ansprechpartner wie die Pflegekammer.“ Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, ist überzeugt: „Wir brauchen sowohl all die engagierten Pflegenden vor Ort, die sich in ihrem Beruf stark machen, als auch die Pflegeberufekammer, die mit Weitsicht und strategischer Planung die Perspektive der beruflich Pflegenden dort vertreten kann, wo die Weichen für die Versorgung gestellt werden, zum Beispiel im Landespflegeausschuss und im Gemeinsamen Landesgremium zur medizinischen Versorgung.“ Dafür setze sich Pflegeberufekammer mit viel Engagement in den zuständigen Gremien ein und stehe darüber hinaus in engem Austausch mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Zudem hat die Kammer verschiedene Projekte für mehr Versorgungssicherheit gestartet. Dazu gehören bessere Verkehrsbedingungen für ambulante Pflegedienste, aber auch der Einsatz für eine verbindliche Personalbemessung in der Pflege, eine Ausweitung der Studienplätze für Pflegende in Schleswig-Holstein sowie der Ausbau pflegerischer Handlungskompetenzen.


Pflegebevollmächtigter besucht Geschäftsstelle in Neumünster
Über Zukunftskonzepte und Lösungen aus dem Fachkräftemangel diskutierte Andreas Westerfellhaus mit den Vertretern der Pflegeberufekammer bei seinem Besuch in Schleswig-Holstein. „Es freut mich zu sehen, wie schnell die Verantwortlichen die Kammer in Schleswig-Holstein aufgebaut und wichtige politische Impulse gesetzt haben“, sagt der Staatssekretär. „Endlich spricht die Pflege in Schleswig-Holstein mit einer Stimme und ist an den dringenden Gesundheitsfragen wie auch der Festlegung gesetzlicher Rahmenbedingungen zwingend beteiligt.“ Ohne Pflegekammern werde es auf die aktuellen Versorgungsfragen keine Antworten geben, ist er sich sicher. „Deshalb freue ich mich, dass die pflegerische Standesvertretung in Schleswig-Holstein angekommen ist und wünsche den beteiligten Vertretern, dass sie ihren Elan beibehalten und weiter gute Entscheidungen für die Pflege in Schleswig-Holstein treffen werden.“ Die wichtige Rolle der pflegerischen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen betont auch das Positionspapier zur Zukunft der Pflege der Stiftungsallianz aus Robert Bosch Stiftung, Bertelsmann Stiftung und Stiftung Münch. In diesem wird klar gefordert: „Dort, wo es um Entscheidungen im Gesundheitswesen geht, die Auswirkungen auf die pflegerische Versorgung haben, muss auch die professionelle Pflege mit am Tisch sitzen. Ihre Kompetenzen und ihr Mittun sind schon jetzt unverzichtbar.“1 1 www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2020-02/Pflege%20kann%20mehr_Positionspapier%20Stiftungsallianz.pdf


Ansprechpartnerin:
Patricia Drube – Präsidentin Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein Fabrikstr. 21 24534 Neumünster Mobil: +49-151-4 222 84 83

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