Pressemitteilung: "Arbeitszeiten in der Pflege"

Zum Interview von Jens Spahn stellt die PBK fest: „Einfach mehr arbeiten wird Pflege nicht verbessern. Konkrete Maßnahmen sind notwendig!“

Neumünster, 24. September 2018

Bezugnehmend auf den Artikel der shz vom 21.09.2018 „Spahn rät zur Mehrarbeit“ als Auszug des Interviews von Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, am 20. September mit der Augsburger Allgemeinen zum Thema Pflege [1], erklärt Frank Vilsmeier, Vizepräsident der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein:

 „Wir begrüßen, dass Herr Spahn sich endlich der Probleme der beruflich Pflegenden annehmen möchte. Wir kritisierten jedoch seine mehr als missverständliche Formulierung zur geforderten Mehrarbeit von Pflegekräften. Auch wenn der entsprechende Satz in ersten Stellungnahmen aus dem Zusammenhang gerissen wurde, verletzt er die vielen Teilzeitbeschäftigten, die bereits jetzt schon vielfach, ohne entsprechende Verträge, Überstunden bis zur Vollzeit und darüber hinaus leisten! Wir erwarten konkrete Maßnahmen für eine bessere Besetzung in der Pflege, die den Worten von Bundesminister Spahn folgen.“

 Aktuelle wissenschaftliche Publikationen [2] zeigen deutlich, dass in den Pflegeberufen mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen arbeiten. Unabhängig von Teil- oder Vollzeitbeschäftigung leisten bereits 50 Prozent der Pflegenden regelmässig mehr Stunden als vertraglich vereinbart, welches zu Lasten von Freizeit und Gesundheit geht. Oft ist Teilzeitarbeit mit befristeten Arbeitsverträgen gekoppelt, die die Pflegenden in eine prekäre Lage bringen. Die Risiken werden weiterhin durch die heterogene Tarif- und Gehaltsstruktur innerhalb des Berufsfeldes Pflege verstärkt.

 „Die hohen geistigen und körperlichen Ansprüche an den Pflegeberuf unterscheiden sich zwischen Teilzeit- und Vollzeit also kaum. Dazu kommen die angesammelten Überstunden, die zu einer schweren Belastung der Pflegenden und ihren Familien führen. Eine gangbare Lösung kann nur sein, denjenigen, die höher beschäftigt werden wollen, auch Verträge mit der gewünschten Mehrarbeitszeit anzubieten. Insgesamt müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden, um die Freizeit der Pflegenden wieder planbar zu gestalten. Hier sehen wir die Politik mit den Arbeitgebern in der Verantwortung, nicht nur warme Worte, sondern umsetzbare Maßnahmenpakete beizubringen“, stellt Frank Vilsmeier fest. „Damit würde sich die Besetzungszeiten in den Einrichtungen planbar erhöhen und aufgrund besserer Besetzungen ein erster Anreiz für die aufgrund von Überlastung in Teilzeit geflüchteten Beschäftigten gegeben, wieder in Vollzeit arbeiten zu können."

Ansprechpartner:

Frank Vilsmeier, Vizepräsident Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

E-Mail: presse@pflegeberufekammer-sh.de

Pressemitteilung als PDF (264 KB)

 


[2] Becka, Denise et al. (2016): Teilzeitarbeit in Gesundheit und Pflege: Profile aus Perspektive der Beschäftigten im Branchen- und Berufsvergleich. https://www.econstor.eu/bitstream/10419/130252/1/856206776.pdf

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